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Die Mumins - milder Wahnsinn für schlechte Tage


Verfasst am: 17. 07. 2009 [21:26]
florian
toller Hecht der viel postet...
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MUMIN war als Comic auf Deutsch lange Zeit vergriffen. Der erste Band einer großartigen Werkausgabe, die auf Englisch schon 4 Bände umfasst, ist Ende letzten Jahres beim vorbildlichen REPRODUKT - VERLAG erschienen.
Bei uns gilt Mumin, eine Art vermenschlichtes weißes Nilpferd ohne sichtbaren Mund, als Kinderbuchfigur, was so nicht richtig ist. Und natürlich sind er und seine Familie (sein ruheloser Vater, ein gelangweilter ehemaliger Abenteurer, seine stoische Mutter und Mumins Freundin, die aber natürlich nur so aussieht als wäre sie ein Familienmitglied, das Snorkfräulein) keine Nilpferde, sondern Trolle. Durch ihr Wohnzimmer fließen, wenn sie Pech haben, Ströme von elektrischen dünnen Gespenstern ohne Nilpferdähnlichket, die mit ihnen auch verwandt sind.
Tove Jansson, die finnische Schöpferin, erfand ihn als Cartoon (in den 40ern), schrieb dann einige Kinderbücher (auf Schwedisch) über ihn, seine Familie und seine Welt, mühte sich dann in den 50ern mit einem (hervorragenden) Zeitungscomic (auf Englisch) ab, schmiss ihn hin, schrieb noch ein paar Kinderbücher, die völlig anders waren als das vorangegangene Material, anschließend noch experimentelle Bilderbücher (in den 70er/80ern). Sie starb vor ein paar Jahren in hohem Alter.
Es gibt verschiedene Filmversionen (darunter auch von der ansonsten tadellosen Augsburger Puppenkiste), die alle nicht sehr gut sind.
(Tove Jansson schrieb auch Bücher für Erwachsene und drehte ein paar offensichtlich experimentelle Kurzfilme, die nur auf lesbischen Filmfestivals laufen).
Die Comics, aber das ist umstritten, würde ich als ihr Hauptwerk sehen.
Sie beschreiben Mumintal, ein idylles Fleckchen voll seltsam herumwuselnder Kreaturen, das (in den Comics) permanent von Katastrophen und idiotischen Moden heimgesucht wird.
Eine ausführliche Würdigung braucht allerdings etwas, Platz, Zeit und Nachdenken, und kommt daher in Häppchen. Schreibt ruhig was dazwischen.
 
Verfasst am: 18. 07. 2009 [10:16]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
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Beiträge: 265
Mumintal ist gleichzeitig eine idyllische Märchenwelt und das Zerrbild einer unheilbar beschränkten Gesellschaft.
Wie häufig im europäischen Nachkriegscomic mischen sich totale Abgeklärtheit und Verzauberung.
Auf den ersten Blick sind die filigranen Zeichnungen sehr sauber, aber die Bildränder bestehen häufig aus Schlingpflanzen mit Stielaugen, Muminschwänzen oder sinnlosen Schnörkeln, am unteren Bildrand wuseln seltsame (in der Regel freundliche) Kreaturen herum, und in den scheinbar schlichten schwarzweißen Bildern wimmelt es von extremen Schatten. Alles sehr modern und stylish, jedes Bild würde heute als Pop - Art durchgehen.
Im Mumintal leben verschiedenste bizarre Wesen miteinander, die sich selber für völlig normal halten. Die Mumins selber sind Freigeister, was die Sache noch schlimmer macht. Wie verhält man sich einem Gast gegenüber, der einem das Mobiliar auffrisst? Und wie einem Marsmensch, der die Kuh der Nachbarin fliegen lässt? Die (meist absurd würdevollen) Mumis haben kein Standartverhalten für solche Situationen, was regelmäßig zu allgemeinem Chaos führt.
Der Humor ist so trocken, dass Tove Jansson mit jedem Quatsch, Kitsch und allen bösartigen Spitzen elegant durchkommt.
MUMIN ist ein sehr luftiger Spaß, in allen Lebenslagen extrem zu empfehlen, und das muss in diesem Rahmen jetzt reichen.
Und was lest und hört und sehr Ihr so?
 
Verfasst am: 18. 07. 2009 [13:33]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Das ist ja mehr als albern, aber ich muss doch noch einmal darauf hinweisen, dass natürlich auch die Mumin - Romane ganz großartig sind, und dazu bei uns bekannter, billiger, weiter verbreitet.
Sie sind alle sehr unterschiedlich, handeln nicht alle von den Mumins, spielen nicht alle im Mumintal (lediglich alle in einer Muminwelt, um es mal so zu sagen) und zerfallen in mindestens zwei große Gruppen (grob gesagt: lustig und für Kinder, ernst und für Erwachsene, was so natürlich nicht stimmt).
Wer ein abgedrehtes Kinderbuch für Erwachsene lesen möchte, ist mit STURM IM MUMINTAL gut bedient; eine clevere Parodie auf Künstler - und Lebenskünstler - Biographien ist MUMINVATERS WILDBEWEGTE JUGEND; und HERBST IM MUMINTAL ist eines der traurigsten und seltsamsten Bücher überhaupt, und ich werde mich hüten, hier eine Kurzfassung hinzuhunzen-- okay, sehr, sehr grob: eine Gruppe seltsamer Fremder wartet in ihrem leeren Haus vergeblich auf die bereits abgereiste Muminfamilie, freundet sich an und hat spirituelle Erlebnisse, streckenweise sehr dicht und sehr lyrisch, ernste moderne Literatur mit blöden Witzen, bei der die Figuren beispielsweise "Ompelschrompel" heißen oder dauernd an Marmelade denken.
So, und das erste Bilderbuch, auf deutsch: MUMIN, WIE WIRD ES WEITERGEHEN hat zum Teil ausgeschnittene Seiten, wilde Bilder und eine extrem kunstvolle Farbgebung.
Und nun auch mal Schluss mit den Mumins, doch das musste noch sein.

 



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