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Kultur.Forum

Geschlossenes Thema

[Geschlossen] Content muss kosten (nicht immer, aber prinzipiell)!


Verfasst am: 17. 06. 2009 [13:58]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Angeblich gibt es irgend ein Interesse, diese zauberhafte kleine Diskussion weiterzulesen, warum auch immer, also okay:

Mit Kultur wird sehr viel Geld verdient. Niemand weiß, ob mit Autos in zehn Jahren noch Geld zu verdienen sein wird. Bei Kultur ist das extrem wahrscheinlich.
Geistiges Leben wächst nicht auf Bäumen, sondern ist Arbeit. Es ist auch sehr schwer, Alltagskreativität à la Youtube als Modell hochzurechnen. Nicht, weil die Youtube - Leute nichts können würden oder die Trennung zwischen Profis und Amateuren so wichtig wäre, sondern weil es um Spaß und Nichtspaß geht.
Hemingway hatte beispielsweise keinen Spaß an seinen Sachen, ich bin sicher, dass selbst Joanne K. Rowling (und ich bin kein Fan, auch wenn ich sie immer anführe) sehr unter Harry Potter gelitten hat. Die dachte, sie müßte. Sich austoben geht anders. Freizeit geht anders. Kein tiefes Leiden. Aber: kein Spaß.

Das ist ein großes Projekt, ein mindestens so großes, altes, ehrrwürdiges und wichtiges Projekt wie die Naturwissenschaften: Mir machen die Welt besser. Oder zumindest farbenfroher. Wir verbessern das Leben der Menschen. Wir erforschen den Menschen. Nicht - naturwissenschaftlich.
(Wir finden einen anderen Planeten mitten auf diesem Planeten.)
Ohne ein Bewußtsein für dieses Projekt war Hemingway ein Masochist: hätte der Depp doch mal was Lustiges geschrieben, wre vielleicht auch ein besserer Stundenlohn bei rumgekommen. Mit diesem Bewußtsein ist bspw. die Story Katze im Regen ein Trip, ein Markstein, eine frische Dusche. Ein paar Monate Arbeit für vier Seiten? Guter Tausch.
Ich glaube, dass ohne dieses geteilte Projekt, diese Utopie sehr viel mehr dran glauben wird als ein paar Plattenlabels.
 
Verfasst am: 17. 06. 2009 [18:09]
latschlawatsch
Marcel
toller Hecht der viel postet...
Dabei seit: 01.04.2009
Beiträge: 217
Aber da sagst du es ja selbst: es gibt Dinge, die nicht aus Spaß entstehen, sondern Arbeit sind und so lange es Menschen gibt, die nicht nur Spaß suchen, wird auch ein solcher Künstler sein Auskommen haben.
Und genau darin sollte sich auch gute Kunst von der open content Bewegung unterscheiden - nur damit wir uns richtig verstehen: open content bezieht sich erstmal NUR auf NICHT Urheberrechtlich geschütztes Material!
Und womit viel Geld verdient wird (wenigstens in der Musikbranche) ist keine Kultur in meinem Kultur-Verständnis. Es wird viel Geld damit gemacht, weils billig (produziert) ist!
Auch bei Kultur ist das zukünftige Geld verdienen nicht deutlich wahrscheinlicher als in anderen Branchen, es kommt nun mal nur auf Bedarf und Qualität an. Wenn es keine bezahlbaren Alternativen zum Individualreisen mit dem Auto gibt, wird damit auch in Zukunft weiter Geld verdient werden, ganz einfach weil der Bedarf bleiben wird.
 
Verfasst am: 17. 06. 2009 [18:48]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Aber es ist doch umgekehrt: Es gibt keine breite Bewegung, die fordert, dass Autos kostenlos sein sollen.
Es geht bei Journalismus, Kultur und Kunst darum, eine Situation künstlich zu verschärfen. Der Markt würde von sich aus nie auf eine Google - Library kommen, die ist ein rein größenwahnsinniges Projekt.
Übrigens habe ich nie verstanden, woher der Hass auf Kultur und Geisteswissenschaft kommt, siehe auch Bologna- Programm usw., ich habe tatsächlich als einzige Erklätrerung, dass da eine Schnittmenge von Wirtschaft und Naturwissenschaft wirklich totalitär drauf ist und nicht mal den Hauch eines anderen Modells erträgt.
Mich würde mal interessieren, wie man in der heutigen Welt und heutigen Zeit überhaupt auf dieses Hassbild kommt (komische Typen, selber schuld, was bilden die sich eigentlich ein), das bietet sich ja im Grunde wirklich nicht an (wem tun arme Künstler oder arbeitslose Journalisten was?).

Wenn wir uns nicht daran gewöhnen, dass Geisteswissenschaftler und Künstler (ich fasse die hier immer zusammen, die haben natürlich faktisch nicht so wahnsinnig viel miteinander zu tun, aber die sind halt beide für eine bestimmte Ideologie offensichtlich gemeinsam in der Schusslinie die Feindbilder und entsprechend betroffen) kein Geld verdienen, werden Einige von ihnen weiter ihr Auskommen haben. Wenn wir uns daran gewöhnen, dann nicht.
 
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