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Kultur.Forum

Geschlossenes Thema

[Geschlossen] Content muss kosten (nicht immer, aber prinzipiell)!


Verfasst am: 29. 05. 2009 [15:27]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
In einer Stadt voller Informatiker muss man es manchmal sagen: Wenn nur noch Informatiker Geld verdienen sollen, sollen die doch alle unsere Mieten bezahlen. Es gibt keine wissenschaftlichen Entdeckungen, die ohne Geisteswissenschaftler möglich gewesen wären. Die haben ihnen den Rücken freigehalten, sie inspiriert und ein Klima geschaffen, in denen sie forschen konnten. Ohne freien Buchdruck und freie Presse säßen wir nicht hier. In diesem Moment werden Menschen für Ideen hingerichtet, gefoltert und von eigens abgerichteten Schäferhunden vergewaltigt. In unserer Welt werden Menschen unter anderem durch Geld und Respekt geschützt. Beides untergraben die Befürworter von freiem content, ob sie es wollen oder nicht.
Das bringt uns zu uns und unseren Eintrittspreisen: Nein, unsere Künstler sind nicht bedroht, wir sind nicht bedroht, und es geht uns allen prima, danke. Aber unsere dreifach gedrückten Preise, wenn wir überhaupt welche haben, sollten es Euch schon wert sein. Dafür, dass irgendwer noch irgendwas mit Kultur verdient. Und dafür, dass prinzipiell Ideen Geld und Respekt verdienen.

Aber bitte, haltet dagegen!!!

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 29.05.2009 um 15:31.]
 
Verfasst am: 29. 05. 2009 [19:34]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Ich bin intern darauf hingewiesen worden, dass wir konkret insgesamt ein tolles Publikum haben, und das haben wir sowieso. Natürlich. Jeder Euro und jedes Schulterklopfen kommt an.
Und darum geht es.

Wir zumindest werden also nicht den Weg der Musikindustrie, der amerikanischen Presse, voraussichtlich der deutschen Tagespresse und des ARD - Korrespondentennetzes gehen. Weiter so. Auch bei anderen Veranstaltungen, guten Dingen, Dienstleistungen, die nichts mit Alkohol und Computern zu tun haben, denn es kommt so oder so immer alles an.
 
Verfasst am: 30. 05. 2009 [12:53]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Florian, ich finde, du vermischt da einige Sachen, die nicht unbedingt zusammengehören:

Die Open-Content-Bewegung treibt ja vielerlei Blüten, manche erfreuliche, andere weniger erfreuliche. Das sollte man nicht alles unter einen Hut stecken, denn während ich dir z.T. zustimme, dass Kultur und kulturelle Werke nicht per se kostenlos sein können und sollen gibt es doch auch sinnvolle Open-Content-Ansätze, z.B. für den Bildungsbereich (Wikipedia ist nur das prominenteste Beispiel, es gibt viele andere sinnvolle Ansätze, siehe z.B. hier) oder auch die Open-Access-Bewegung, die freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen fordert, mit dem Argument: "Die bisherigen Publikationsstrukturen stellen eine Privatisierung des von der Allgemeinheit finanzierten Wissens dar. Durch Open Access soll verhindert werden, dass dieses Wissen nicht erneut von der Allgemeinheit finanziert von den Verlagen zurückgekauft werden muss, die durch die Publikation die Nutzungsrechte erhalten haben." (mehr)
Ihnen allen zu unterstellen, sie würden durch ihre Haltung Folter und Unterdrückung fördern, ist dann doch etwas weit hergeholt (auch wenn die Argumentation universell gedacht nachvollziehbar ist: sie greift hier zu kurz).

Dass aber (um auf den konkreten Anlass zurückzukommen) kulturelle Veranstaltungen in Kaiserslautern ihren Wert und deshalb auch ihren Preis haben und dass deshalb manche Events eben mehr als nur 3 Euro kosten müssen ist völlig korrekt, dem stimme ich uneingeschränkt zu! Der Trend in dieser Stadt hin zu Billig-Besäufnissen und minimalsten Eintrittspreisen kann in der Tat fatal enden, deshalb bleibt nur zu hoffen und darauf hinzuarbeiten, dass das Publikum die Preise der Veranstalter akzeptiert - zumindest, so lange sie nicht überteuert sind!

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
Verfasst am: 30. 05. 2009 [17:29]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Ich kann nur wenig Positives an Wikipedia und ähnlichen Phänommenen entdecken. Meinungen sollten mit Namen gekennzeichnet sein, wie diese hier, wie in jedem x-beliebigen seriösen Lexikon, Meinungen sollten kohärent sein, und das können sie nur, wenn sie nicht von 100 Usern gleichzeitig verfälscht werden, Meinungen sollten nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und aufgeschrieben werden, und deswegen kosten dann auch echte Lexika was. Wenn Du den Titel einer verschollenen B - Seite von den White stripes suchst, ist Wikipedia hilfreich, bei ernsthaften Themen sollte man die Finger davon lassen.

Die ARD hat noch einen Afrika - Korrespondenten, und Afrika ist nicht gerade kléin und es passiet dort nicht gerade wenig. Das reicht natürlich nicht aus, deswegen verlässt sie sich ansosnten mittlerweile auf Blogger und Bürgermeister (sehr grob ausgedrückt). Du kannst einen Blogger, der tagsüber Milch verkauft, nicht schützen, wie Du einen ARD - Korrespondenten schützen kannst. Also gibt es nur zwei Möglichkeiten: Wir werden nicht mehr vernünftig über Afrika informiert (und das ist nach Meinung der medienbeobachtenden Stellen derzeit der Fall), oder der Blogger lebt gefährlich.
Die ARD ist gebührenfinanziert, aber selbst sie argumentiert (nicht wörtlich), dass das Interesse an Journalismus im klassischen Sinn durch das Internet und die ganzen voneinander abgeschriebenen freien Müll - Informationen auf den Hund gekommen ist. Und dass sie lieber Geld für andere Dinge ausgibt.
Wenn die freie Presse verschwindet, und nur noch Werbung übrig bleibt, werden wir in Zukunft nicht mehr darüber informiert werden, wenn sich Firmen wie Diktaturen aufspielen, wie bei der Bahn oder der Deutschen Bank; es wird Werbeinformationen geben und kleine, paranoide Blogger, und auch die können ratzfatz schnell gefährlich leben (wenn auch sicher nicht ratzfatz so gefährlich wie in anderen Ländern).
Meine Lieblingsplatte der letzten Jahre war ZOMBI von KANTE. Zwei Jahre im Studio, überall Platte des Monats, und sie werden daran noch ewig abzahlen und nie wieder etwas Vergleichbares machen, wenn ich richtig informiert bin.
 
Verfasst am: 30. 05. 2009 [17:39]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
P.S.: Blogs usw. sind natürlich toll. Ich mag das Internet. Was ich nicht mag, ist s.o. Und auch die Blogger sollten irgendwie ein bißchen Geld kriegen.
 
Verfasst am: 30. 05. 2009 [18:03]
sven
toller Hecht der viel postet...
Dabei seit: 07.05.2009
Beiträge: 375
so schön hat noch niemand das sogenannte "allgemeinwissen" des i-nets 2.0
auf den punkt gebracht. danke dafür.

und ich kann dir auch die gesuchte b-seite der white stripes nennen icon_wink.gif
grüsse vom vinyl-junkie
 
Verfasst am: 01. 06. 2009 [12:08]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Vorsicht, Florian: Äpfel vs. Birnen!

Ich kann dir in allem zustimmen, was du zuletzt schreibst, über Blogs und den sich immer weiter verbreitenden "Bürgerjournalismus" oder über Wikipedia. Ich habe im Übrigen auch nicht behauptet, dass Wikipedia der Gipfel der Erkenntnis sei, nur finde ich es durchaus bemerkenswert, wie gut diese Wissenssammlung funktioniert - großteils zumindest, Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber natürlich sollte man für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem komplexen Thema ein paar Bücher lesen, nicht nur einen Wikipedia-Artikel, und natürlich sollten die Buchautoren bezahlt werden!

Aber vielleicht sollten wir einfach besser differenzieren: Natürlich hat die "Open Content"-Bewegung auch viele Schattenseiten und erzeugt auch Verlierer des Systems. Dennoch gibt es auch einige positive Aspekte, beispielsweise für die Bildungslandschaft. Das System "Creative Commons" finde ich genial und hilft mir in meinem Berufsleben enorm weiter: Wenn wir z.B. Filme von Schülern online veröffentlichen dürfen wir dazu keine GEMA-pflichtige oder urheberrechtlich geschützte Musik verwenden, und die freie Musik, die man früher auf CD kaufen konnte, war furchtbar gruselig und hat jeden noch so guten Film verschandelt! Heute kann man dank CC einige gute, freie Songs im Internet finden. Ähnlich verhält es sich mit Fotos z.B. für Schüler-Websites, auch hier darf man nur eigenes oder eben lizenzfreies Material verwenden.
Den Urhebern wiederum, die ihre Erzeugnisse unter CC veröffentlichen, entsteht kein Schaden, weil das für sie ein Hobby ist oder für junge Bands eine Möglichkeit, über das Web ein paar Fans zu erreichen und auf sich aufmerksam zu machen.
Dass es daneben aber noch einen Markt für z.B. professionelle Fotografen und Musiker geben muss (wobei Musiker heutzutage sowieso nur noch von Konzerten leben, nicht mehr vom CD-Verkauf) ist ja gar keine Frage!

Ich wehre mich nur dagegen, die komplette "Open Content"-Bewegung pauschal zu verurteilen, weil ich eben finde, dass sie durchaus auch viel Positives bewirkt.

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
Verfasst am: 01. 06. 2009 [16:27]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Wenn die Brötchen und die Mieten kostenlos wären, und die Menschen das Geld, das sie nicht mehr für Kultur ausgeben, dafür ausgeben würden, den Bedürftigen zu helfen, wäre Open content eine feine Sache.
So sehe ich nicht, warum unter allen Dingen auf der Welt gerade Kultur und geistiges Leben nicht mehr bezahlt werden sollen (ähnlich sieht es mit vielen sozialen Dienstleistungen aus, auch das eine ganz super Sache).
Es greift eine unglaubliche Verelendung unter Kulturschaffenden um sich, und wir erleben die faktische Abschaffung der Geisteswissenschaften. Zeig mir jemanden, der mit den von dir beschriebenen Modellen genug zum Leben verdient (früher hätten die Leute dann häufig die schönere Musik mit GEMA benutzt, ein Freund von mir lebt von solchen Aufträgen).
Nicht - Bezahlen und Ausgrenzen sind (zum Glück) die schärfsten Waffen, die in unserer Gesellschaft offiziell im Gebrauch sind.
Ideologische Lager schießen bei uns nicht auf der Straße aufeinander, sie untergraben sich gegenseitig die Existenz und die Glaubwürdigkeit.
Vor diesem Hintergrund sehe ich die Open content - Bewegung und die gemäßigte Alltagsvarainte, der wir bei der Arbeit im Kulturkollektiv ständig begegnen, tatsächlich als eine einseitige Kriegserklärung aus heiterem Himmel.
Frag die Leute, ob sie einen achten Harry Potter oder ein neues Betriebssystem haben wollen, und sie sagen dir, sie wollen einen achten Harry Potter.
Und sie klauen fast alle keine Brötchen oder Autos.
Und trotzdem sehen sie es als selbstverständlich an, dass sie kostenlos Zugriff auf Kultur haben.
Blogs sind Hobby. Leider. Die Alternativbewegung in den 70er/80ern und die Schwulenbewegung konnten sich behaupten, weil die Leute beieinander eingekauft haben. Heute sind die Aldi - Brüder Platz vier und sechs auf der Liste der reichsten Menschen der Welt, und die Läden um die Ecke machen dicht.
Jede Dose Bohnen, die Du bei Aldi kaufst, ist eine Investition in und eine Stärkung von Aldi. Wir investieren alle permanent, wir haben da keine Wahl.
Mir geht es darum, auf dem Bewusstsein dafür (dass wir ja alle irgendwo haben) zu bestehen.
 
Verfasst am: 01. 06. 2009 [17:00]
florian
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
P.S.: Ich schreibe mit Absicht dauernd über Geld Google, youtube und piratbay sind/ waren konkurrenzlos gierige Unternehmen, und es kann nicht sein, dass alle Kulturschaffenden unter den Bedingungen von Schülerbands arbeiten (oder überhaupt mittelfristig alle, bis auf Informatiker und ein paar Manager). Aber natürlich geht es bei uns im Kulturkollektiv jetzt erstmal nur sehr, sehr bedingt ums Geld - wir machen das ehrenamtlich und hoffen auf keine Brötchen. Doch auch das nette Feedback, das Gefühl, irgend etwas auszulösen und die Freude an schönen Momenten sind in dem Moment vorbei, in dem das mit der Wertschätzung nicht mehr funktioniert.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 01.06.2009 um 17:39.]
 
Verfasst am: 01. 06. 2009 [17:51]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Ich glaube, Florian, wir liegen im Prinzip gar nicht so weit auseinander mit unseren Ansichten. Deine Überschrift war ja: "Content muss kosten - nicht immer, aber prinzipiell". Ich würde vielleicht sagen: "Content muss nicht immer kosten, sollte es prinzipiell jedoch tun!"

Natürlich müssen Kulturschaffende, die davon leben wollen, Geld verdienen! Dennoch finde ich Systeme wie Creative Commons oder die Open-Access-Bewegung o.ä. interessant und auch zeitgemäß. Der Erfolg der Piratenpartei in Schweden (und demnächst auch bei uns?) zeigt ja, dass die Gesetzgebung und Rechtssprechung aus dem letzten Jahrtausend nicht mehr immer angemessen ist und dass sich die Zeichen der Zeit einfach ändern, sich demzufolge auch manche althergebrachten und z.T. liebgewonnenen Gewohnheiten ändern müssen. Die Frage ist nur, wie dieser Wandel so ausfallen kann, dass nicht allzu viele Kulturschaffende unter die Räder kommen...

Für uns im Kultur.Kollektiv würde ich sagen: Weitermachen, weiter ackern und den Leuten verdeutlichen, dass Kultur nicht immer umsonst sein kann, weil sie etwas wert ist, weil sie gut ist. Nicht immer, aber prinzipiell...

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
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