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Heimspiel - Sinn und Unsinn der Integrationsdebatte


Verfasst am: 11. 11. 2010 [10:42]
MeckieMesserMuzak
Carsten
Neuling
Themenersteller
Dabei seit: 06.10.2009
Beiträge: 12
Hi,
ein paar worte zu eurem beitrag zur integrationsdebatte am kommenden sonntag. ich hatte björn über fb, schon mal kritisches zu eurer va geschickt. da einige von euch (k.-kollektiv) nicht auf fb zugegen sind möchte ich dem forum meine kritik daran zukommen lassen:

ich sehe in den "menschen mit migrationshintergrund" nicht unser gesellschaftliches hauptproblem. andere gruppen in dieser gesellschaft machen in punkto "gesellschaftliche mitverantwortung grössere probleme. stichwort: soziale spaltung [http://www.freitag.de/wochenthema/1035-deutschland-darf-nicht-l-nger-wegsehen]

und die debatte um die die wertigkeit von einwanderungswilligen [gutausgebildete "leistungsträger" vs. sozialschmarotzer] ist so unerträglich, dass sie (meiner meinung nach) mehr zur spaltung der gesellschaft beiträgt als menschen aus einer anderen kultur und sprachproblemen.

grundlage müssen zumindest die gleiche rechtliche anerkennung und die bürgerlich demokratische mitbestimmung sein!!! die ist bei menschen, die keinen deutschen pass haben nicht gegeben. stichwort: staatsangehörigkeitsrecht.
die situation von flüchtlingen lasse ich mal aussen vor. im umgang damit herrscht purer rassismus.

sozialarbeit hat ihre berechtigung. das mag ich auch nicht bestreiten. meiner meinung nach müsste diese aber mehr drauf abzielen, die menschen in ihrem anliegen zu stärken, ihre rechte und teilhabe in/an dieser gesellschaft (auch gegenüber den behörden) einzufordern.

zu kl: solange menschen mit "integrationsschwierigkeiten" (nicht nur migrant_innen) eher als ein problem der exekutive gesehen werden und polizei u. staatsanwaltschaft die bedingungen der sozialarbeit diktieren, bleibt selbst der begriff der "integration" ein wolkenkuckucksheim [http://meckiemessermuzak.blogsport.de/2008/10/18/kein-haus-des-jugendstrafrechts-in-kaiserslautern/]

dazu ein aufruf, den ich persönlich unterstütze: http://www.demokratie-statt-integration.kritnet.org/

grundsätzlicher betrachtet stelle die integration in diese gesellschaft überhaupt in frage: warum soll ich dafür sein "menschen mit migrationshintergrund" in die hiesige gesellschaft zu intergrieren, wenn ich selbst weder willig noch in der lage bin dies selbst zu tun.

"Outside of society, that's where I want to be." (patti smith, rock n' roll nigger)

weitere kritische denkanstöße:
Die Integrationsdebatte als Ablenkungsmanöver [http://hpd.de/node/10584]
Die Integrationsdebattenverweigerer [http://www.integrationsdebattenverweigerer.de/]

das kann durchaus als einladung zur diskussion verstanden werden. Das von K.o.K.-roaches am sonntag kaum jemand kommen wird liegt aber auch daran, dass wir an diesem tag turnusgemäß vereinsplenum haben.
 
Verfasst am: 11. 11. 2010 [20:57]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Hi Carsten,

danke für deine durchaus interessanten Anregungen, dennoch bin und bleibe ich da anderer Meinung:

Ich denke nicht, dass wir "Menschen mit Migrationshintergrund" als gesellschaftliches Problem ansehen, ich will auch nicht über die "Wertigkeit" von Menschen mit Migrationshintergrund diskutieren - und ich kann den Aufruf "Demokratie statt Integration" leider nicht unterstützen, da die dortige Behauptung, dass "die Rede von der Integration eine Feindin der Demokratie" sei, meinen Vorstellungen völlig widerspricht.

Meine Frau hat türkischen Migrationshintergrund, meine Schwiegereltern und Verwandschaft stammen aus der Türkei, leben seit Jahrzehnten in Deutschland - und sind dennoch immer wieder mit der Problematik konfrontiert, zwischen zwei Stühlen zu sitzen, zwischen zwei Staaten zu leben. In Deutschland sind sie die Türken, in der Türkei sind sie die Deutschen - aus diesem Dilemma können sie nicht entfliehen.
Mein Sohn ist nun Halb-Türke, sozusagen, oder auch total Deutscher, wie auch immer, jedenfalls wird ihn diese Problematik hoffentlich nicht mehr betreffen. Er kann hoffentlich als ein "völlig normales" Kind aufwachsen, bei dem die Wurzeln egal sind - bei meiner Frau war und ist das aber noch anders, auch sie wird oft noch als "die Türkin" betrachtet, obwohl sie hier geboren ist.

Genau mit dieser schwierigen Gemengelage beschäftigt sich der Film "Heimspiel" und auch das Fotoprojekt "anders und doch gleich", die beide am Sonntag vorgestellt werden, insofern sehe ich in dieser Veranstaltung überhaupt nichts, was schon im Vorfeld zu kritisieren wäre.

Dennoch muss man bei den vielen positiven Beispielen auch sehen, dass Migration hierzulande nach wie vor auch mit Problemen verbunden ist - seitens vieler Deutscher, aber auch seitens vieler Migranten. Ein gewisser gemeinsamer Grundkonsens muss meiner Meinung nach aber vorhanden sein, um in einer Gesellschaft gut zusammenleben zu können, und das, mit Verlaub, behaupte ich, ohne mich in eine Reihe mit Sarrazin stellen zu lassen. Deshalb finde ich die (in dem Aufruf "Demokratie statt Integration" aufgestellte) Behauptung, dass "Integration undemokratisch" wäre, völlig unzutreffend!

Schade, dass ihr am Sonntag nicht ins Union kommen könnt, aber wir können gerne hier weiter diskutieren.

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
Verfasst am: 11. 11. 2010 [22:57]
oliver
Oliver Wirjadi
toller Hecht der viel postet...
Dabei seit: 05.07.2009
Beiträge: 388
Erstmal danke, Meckie, dass Du die Debatte hier ins Forum trägst, genau dafür ist es da.

In den von Dir zitierten Artikeln finde ich durchaus Punkte wieder, mit denen ich mich identifiziere. Erwähnenswert besonders der Artikel von Markus Weber auf den Seiten des hpd: "Die wirklichen Probleme in Deutschland sind nicht die religiösen oder kulturellen Unterschiede, es sind die sozialen." Den Satz unterschreibe ich sofort!

Doch Deinen Versuch alle, die über das Thema Integration überhaupt diskutieren wollen in die xenophobe Ecke zu stellen finde ich absolut daneben.

Also, lass mich Farbe bekennen, worüber möchte ich beim Thema Integration sprechen?

Lasst uns, wie Björn es formuliert, einen gemeinsamen Grundkonsens finden. Und um diesen zu finden reicht es eben nicht, rumzusitzen und darauf zu hoffen, dass "Menschen mit Migrationshintergrund" sich der CDU/CSU-gewollten "christlich-jüdischen Leitkultur" unterwerfen, nur weil gerade Donnerstag ist. Warum auch, wem würde das nützen?

Einen Grundkonsens finden wir nicht durch die Forderung an Migranten, sich zu ändern. Wir finden ihn, indem wir uns alle ändern, indem wir eine Gesellschaft schaffen, in der es sich lohnt zu leben, die reicher wird durch das Nebeneinander, nicht ärmer. Und, um den Kreis zu Meckie zu schließen: Ja, dazu braucht es sozialen Ausgleich, gut ausgestattete Schulen, ... alles nichts Neues: Das gute alte Multikulti.

Aber wenn das alles nichts Neues ist, warum dann darüber reden? Weil ganz offensichtlich der Bedarf dafür da ist, weil ich die Gefahr sehe, dass Deutschland trotz Umfragehochs der Grünen in das alte Denkmuster der Abschottung zurückfällt. Irgendwas muss falsch gelaufen sein. Ich weiß auch nicht, was. Aber daran kann man ja arbeiten!
 
Verfasst am: 12. 11. 2010 [11:37]
MeckieMesserMuzak
Carsten
Neuling
Themenersteller
Dabei seit: 06.10.2009
Beiträge: 12
hi,
die erste frage die sich mir immer bei dem begriff integration stellt ist die nach dem "in was" sollen menschen integriert werden. wie von mir schon angemerkt gehe ich da auch von mir selbst aus.
d.h. in wiefern will und kann ich mich in die mehrheitsgesellschaft integrieren. und welche werte verbindet diese gesellschaft überhaupt?
da fängts schon an: ich sehe das gesellschaftsentwicklung immer mehr auf der ebene der verwertbarkeit gedacht wird und dass das system drumrum allein danach ausgerichtet ist. auch in der "integrationsdebatte" ging es ja ganz schnell darum. ich sehe, dass die schere zw. arm und reich weiter auseinandergeht, und wer die nachteile zu spüren bekommt. konsum und warenförmigkeit bestimmt den umgang mit den dingen (und auch menschen).
das entwickeln einer neuen und "besseren" gesellschaft kann , meiner Meinung nach, nicht ohne die umkehrung dieser prozesse gedacht werden.

d.h. wir sollten etwas neues schaffen und nicht die ränder in das bestehende einpassen. die demokratische entwicklung dieses neuen kann nur durch eine gleichberechtigte diskussion und dementsprechenden handeln erreicht werden. da gibt es nichts zu integrieren ("Jemanden oder Etwas in ein bestehendes (Sozial)Gefüge oder System aufnehmen, einordnen" http://de.wiktionary.org/wiki/integrieren). ausser mensch ist mit dem gegebenen einverstanden und zufrieden.

da hakt's bei mir. da kann und will ich nicht mitgehen. da liegt dann auch unsere differenz. soziale ungleichheit, rechtsungleichheiten kann mensch nicht durch integration negieren. diese probleme können auch nicht mit sozialarbeiterischer hilfestellung aufgehoben werden.

vielleicht stimmt auch einfach die begrifflichkeit nicht mit dem anliegen eurer va überein. die verantwortung/selbstverantwortung und das selbstbewusstsein von jugendlichen in einem (auch von sozialarbeitern umgebenen) projekt zu stärken, hat erstmal nicht viel mit integration zu tun, ausser dieses projekt dient dazu dass die jugendlichen angehalten werden, die "werte" der mehrheitsgesellschaft zu akzeptieren. dann wäre das projekt aber unsinnig - da A (für mich) nicht mit B zusammenpasst.

da besteht auch das problem von multikulti, was darauf beruht die gesellschaftlichen grundlagen zu akzeptieren und der mehrheitsgesellschaft den "menschen mit migrationshintergrund" verstehbar zu machen. das sind einbahnstrassen, die zur toleranz (von lateinisch tolerare ? ?ertragen?, ?durchstehen?, ?aushalten? oder ?erdulden?, aber auch ?zulassen? http://de.wiktionary.org/wiki/Toleranz) führen, zu vielmehr nicht. da hab ich auch ne kritische position zu institutionen, wie dem IB. da projekt von th. brenner geht ja auch in diese richtung.

kurzgesagt: ich sehe in der va keinen beitrag, den sehr eingeschränkten rahmen in dem die politik und große teile der gesellschaft bereit sind über den umgang mit migrant_innen zu sprechen sprengt.
 
Verfasst am: 13. 11. 2010 [21:42]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Hm, in einem Punkt kann ich dir zustimmen: möglicherweise passt der Begriff "Integration" nicht komplett zu unserer Veranstaltung, denn v.a. der Film "Heimspiel" beschäftigt sich nicht in erster Linie mit Integrationsbemühungen, sondern mit Jugendlichen, die schon lange hier leben und dennoch oft noch einen Spagat zwischen zwei Ländern, Kulturen, Nationen machen (müssen). Es geht hier also nicht vorrangig um die Frage, wie Leute hier "integriert" werden können - dennoch haben wir den Titel "Integration in Deutschland" als Oberbegriff für die Veranstaltung gewählt, weil es am ehesten dasjenige Thema ist, das die verschiedenen Teile der Veranstaltung als Klammer verbindet.
Deine Pauschalkritik an den "sozialpädagogischen Projekten" kann ich jedoch nicht teilen, und sich sehe auch nicht, dass sie automatisch immer in die von dir beschriebene Einbahnstraße münden müssen. Aber da sind wir eben unterschiedlicher Meinung, was ja auch legitim ist.

Gestern habe ich noch einen witzigen Clip entdeckt, den ich hier als (nicht ernstzunehmenden) Beitrag posten möchte: Die NDR-Satiresendung "Extra3" widmete sich der Frage: "Wie viel Bayern verträgt Deutschland?" Als Franke finde ich diese Frage sehr berechtigt...
icon_wink.gif


"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
Verfasst am: 14. 11. 2010 [10:50]
MeckieMesserMuzak
Carsten
Neuling
Themenersteller
Dabei seit: 06.10.2009
Beiträge: 12
ja,
leider kann ich heute selbst nicht kommen (K.o.K.-roaches-Plenum). Ich glaube aber auch nicht, dass diese VA den richtigen Rahmen für grundsätzlichere Diskussionen bietet. Das Podium und die Sponsoren bzw. Unterstützer_innen auf dem Plakat geben das einfach nicht her.

Passt auf, dass solche VA's nicht zum Akt der Selbstintegration in etwas werden, dass kaum jemand erstrebenswert finden kann. Ich hätte auf jedenfall Schwierigkeiten ein Bundesministerium auf dem Flyer bzw. Plakat zu haben etc....... (Diese Ministerin beklagt vor allem eine gewisse "deutschenfeindlichkeit" http://npd-blog.info/2010/11/12/rechter-aktionismus-von-familienministerin-schroder/)
Dazu bin ich nicht tolerant genug!!!

Ich denke wir treffen uns da, wo Wege zu was neuem, solidarischen aufgemacht werden.

bis dann
carsten

"outside of society, that's where I want to be...." (P.Smith)
http://www.youtube.com/watch?v=2Xw_8kMu53A
 



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