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Karstadt-Pleite aka


Verfasst am: 15. 02. 2010 [23:45]
Alex
Alex
alter Hase
Themenersteller
Dabei seit: 15.12.2009
Beiträge: 130
Ein Dauerbrenner-Thema was die Stadtentwicklung angeht ist bekanntlich das Karstadt(gebäude) und die (Nach-)Nutzung der Immobilie, wie auch des Platzes "altes Pfalztheater".

Viele Köpfe beschäftigen sich mit dem Thema, u.A. auch die kapitalismuskritische Orga "attac".

Ich gebe hier mal den Wortlaut der Ortsgruppe KL weiter, nicht weil die unbedingt unterstütze, aber weil es eine ganz brauchbare Übersicht über den aktuellen Stand der Dinge darstellt.


Karstadt wird seine Pforten am 17.03.2010 schließen.
Die Immobilienfirma will nicht an die K-Stadt-Belegschaft vermieten, das würde bedeuten das 191 Angestellte (davon 70% Frauen) ihre tariflich
bezahlten Arbeitsplätze verlieren, kaum ohne Aussicht einen gleichwertigen Arbeitsplatz hier in Kaiserslautern wiederzufinden.

Das Problem ist zumindest zweischichtig. Die Insolvenz von Karstadt ist die eine Seite. Die andere Seite betrifft das Grundstück vor dem
Karstadtgebäude bis zum Parkplatz (gegenüber von REWE, dort wo von Dez.- Jan. die mobile Eishalle aufgebaut ist). Dieses Areal gehört 2 verschiedenen Immobilienfonds.
Die Firma Highstreet Pirelli (Besitzerin der Karstadtimmobilie und des Vorplatzes) möchte an einen Großinvestor verkaufen der dann auf dem
ganzen Gelände eine sogenannte "Shopping Mall" errichten will. Zuvor müssen jedoch die Abwasserohre verlegt werden, weil ein unterirdisches
Parkhaus entstehen soll, unter dem oben erwähnten Parkplatz gegenüber vom heutigen REWE. Die Arbeiten werden ca 3. Jahre in Anspruch nehmen.
[Anm. Alex: es bestehen verpflichtende Verträge zw. dem Parkhausbetreiber "QPark" und der Stadt, die eine Tiefgarage unter dem Platz des alten Pfalztheaters vorsieht und mit dem alten OB (Deubig) geschlossen wurde.]

Die politisch Verantwortlichen wollen sich nun darum bemühen, dass das Kaufhaus noch solange in Belegschaftshand weiterlaufen soll, bis die Arbeiten an dem einen Grundstück abgeschlossen sind. Die Beschäftigten und auch die Bürgerinnen und Bürger können also auf eine Art Galgenfrist hoffen, soweit es um den Betrieb "unseres" Kaufhauses geht.

Nach dem Willen des Investors (und ich befürchte auch nach dem Willen des OB`s) würde dann das Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fallen um auf
dem freigewordenenden Gelände die Mall zu errichten. Die Folgen dieser Politik haben die Vertreter von verdi Uwe Klemens und Dirk Reimers, Herr Sauter, ehemaliger Geschäftsführer von Karstadt und der Betriebsrat Hermann Heinrich eindrücklich auf der Pressekonferenz (am vergangenen Freitag) geschildert. Danach wird diese Shopping Mall dem Einzelhandel in unserer Stadt so zusetzen, dass er seiner jetzigen Form zumindest stark gefährdet ist, wenn nicht sogar komplett vernichtet wird.
Die Innenstadt würde veröden, und wir würden das gleiche Schicksal erleiden wie heute schon Ludwigshafen, Neunkirchen oder Zweibrücken,
deren Innenstädte ebenfalls schwer gelitten haben.

Dies würde bedeuten, das Kaiserslautern noch mehr Ladenfläche (heute schon 3 qm²/Einw.,zuviel für KL) bekommt, und damit den Ladenlehrstand noch weiter in die Höhe treiben wird. Schon heute ist die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt so schwach, dass sich der Einzelhandel nur
schwer über Wasser halten kann. Eine zusätzliche Erhöhung der Ladenfläche würde den Lehrstand noch weiter in die Höhe treiben, und letztlich die Innenstadt zum Einkaufen und zum Leben unatraktiv machen.

Wie wir diese Entwicklung verhindern können ist noch nicht ganz klar.
Die Gründung einer BürgerInneninitiative eventuell mit der Unterstützung des Einzelhandels könnte eine Form sein, sich gegen diese Pläne zur Wehr
zu setzen.

Wir müssen handeln, wenn wir unserer Stadt und den Bürgerinnen und Bürgern das oben beschriebene Schicksal ersparen wollen.

Genoveva Brandenburger
attac-Büro-Kaiserslautern



Undurchsichtige Sache das Ganze, weil z.T. auch mit entscheidenden Infos hinterm Berg gehalten wird. Wäre nicht das erste Mal, dass ein Investor die "Stadtplanung" übernimmt...

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.
 
 
Verfasst am: 17. 02. 2010 [21:48]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Wirklich kompliziert, dieses Thema: Einerseits verstehe ich ja die Bedenken von Attac und finde es selbst auch bedauernswert, wenn die Innenstadt aufgrund einer neuen "Shopping Mall" weiter veröden würde. Ich kenne die ECE-Einkaufscenter aus Bayreuth und Augsburg, sie sind wirklich alle gleich langweilig - ein ECE-Center in Lautern wäre nun wirklich keine attraktive Bereicherung für die Stadt!

Aber lässt sich das wirklich verhindern? Was kann man tun, wenn die Eigentümer des Karstadt-Gebäudes das Haus nicht an das Modell "K-Stadt" vermieten möchte, sondern lieber an ECE verkaufen? Auf politischer Ebene kann an eine Entscheidung doch wohl schwer erzwingen (oder wäre das über ein Verbot einer "Shopping-Mall" möglich)?

Den Vorwurf, die Lautrer Stadtpolitik würde ein Center bevorzugen, finde ich jedenfalls abenteuerlich - soweit ich das verfolgen konnte hat die Stadt (ebenso wie das Land) das Projekt "K-Stadt" durchaus unterstützt. Nur sind deren Mittel eben auch begrenzt!

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
Verfasst am: 17. 02. 2010 [22:30]
Alex
Alex
alter Hase
Themenersteller
Dabei seit: 15.12.2009
Beiträge: 130
Die Stadt hat ein Einzelhandelskonzept erstellt und durch den Stadtrat beschlossen.
Das Konzept bildet die inhaltliche Grundlage, um u.A. qualifizierte Bebauungspläne aufstellen zu können. Hier schwirren dann die Begriffe "Zonierungskonzept" und "Sortimentskonzept" herum. Deutliche Zielrichtung war bei der Aufstellung übrigens auch die zukünftige Sicherung der Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs, sprich Lebensmittel. Manche Stadtteile sind regelrecht abgehängt.

Mit diesem Konzept wäre sogar eine Erhöhung der Verkaufsfläche (im Verhältnis zum heutigen Karstadt) auf der Fläche möglich.
Welches Gewicht dieses (immerhin vom Rat beschlossenes) Konzept noch hat, wird sich wohl in Bälde zeigen, von einer "Verbotsmöglichkeit" bei Malls ist nicht zu reden.

Ziel auf dem Papier ist jedenfalls die Sicherung des Einzelhandels und dessen räumliche Steuerung. Da lässt sich bestimmt jeder Investor schwer ´mit beeindrucken...

Und "K-Stadt" war wohl nur eine schöne, rebellische und unrealistische Idee.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.
 
 
Verfasst am: 22. 04. 2010 [08:50]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Heute hat sich in der Rheinpfalz erstmals ein Lautrer Einzelhändler zu Wort gemeldet, der sich FÜR ein ECE-Center ausspricht (Thomas Haas vom "Extra") - mit einer interessanten Begründung:

"Es würde dazu führen, dass die derzeit absolut überzogenen Mieten in der Fackel- und Marktstraße unter Druck geraten und wieder in einen normalen Bereich zurückgeführt würden. Letzteres hätte zur Folge, dass sich dann auch wieder inhabergeführter Facheinzelhandel ansiedeln kann, was sich bei dem derzeitigen Mietniveau wirtschaftlich nicht rechnen lässt."
Er sähe in einem Center, in dem der Markenmix stimme, eine Bereicherung für die Innenstadt, keine Bedrohung für die Fußgängerzone.

Ob man dem zustimmen kann weiß ich nicht, die gegenteilige Argumentation klingt plausibler, aber Haas´ Argumente finde ich einen guten Denkanstoß. Was die Stadt daraus macht wird sich zeigen...

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 



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