###RECHTS###

Kultur.Forum

Thema mit vielen Antworten

Flashmob mal so richtig? Politisch oder Spaß?


Verfasst am: 24. 09. 2009 [21:22]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Nur ganz kurz, ich will mich nämlich gleich ausloggen:
Wenn wir jetzt eine große Diskussion über die Piratenpartei starten wird das endlos - da sind wir nicht einer Meinung, das weiß ich (und du weißt hoffentlich auch, dass ich kein PP-Wähler bin, dass ich deren Ansatz aber verstehen kann, weil diese Interessen von sonst niemandem vertreten werden. Sie sind eine Nischenpartei, mehr nicht, aber sie haben ihre Berechtigung).

Was die Diskussion um freie Inhalte usw. angeht gehen die Meinungen eben auch meilenweit auseinander: Es gibt offensichtlich in der Tat einige Leute, die trotz oder wegen freier Inhalte beruflich gut über die Runden kommen (Lobo, Sixtus, Häussler und co. sind nur die "Berühmtesten") und es gibt leider auch viele andere, die darunter leiden. Nur: Dass das Urheberrecht in seiner alten Form nicht mehr haltbar ist haben die letzten Jahre leider bewiesen - und da reicht die Forderung nach Verboten und Sperren nicht aus, da muss eine neue Lösung gefunden werden. Welche das sein kann, diese Frage ist in der Tat schwierig...

Aber noch eins zu den Flashmobs: Die Kanzlerin hat auf das permanente "Yeah" reagiert, indem sie meinte, die jungen Leute sollten besser mal zuhören. Das ist schon mehr Reaktion als auf die Online-Petition.

Ich finde Flashmobs an sich auch doof, aber die "Yeah"-Aktion finde ich in diesem Wahlkampf sowas von passend, dass ich sie einfach verteidigen muss!

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
Verfasst am: 24. 09. 2009 [22:43]
florian
toller Hecht der viel postet...
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Das nennst du eine Reaktion?
Helmut Kohl bspw. ist bei vergleichbaren Gelegenheiten teilweise AUSGERASTET (ich war zweimal dabei), und das hatte auch keinen politischen Effekt. Wenn so ein Standartspruch mehr ist als die Reaktion auf eine online - Petition, werden die aber gewaltig überschätzt. Wie das ganze Netz. Das ich sehr gerne nutze. Aber das reicht halt noch nicht für ein Glaubensbekenntnis.

Noch einmal zum Urheberrecht, was ja an anderer Stelle in diesem Forum schon ausführlich Thema war: Da kommt nichts an Lösungen von den PIRATEN. Selbst bei ihrem eigenen, einzigen Thema versemmeln die jede öffentliche Diskussion und verweigern das Nachdenken über Lösungsansätze. Sind vermutlich zu viel mit rippen und brennen beschäftigt.
Was eine Gesellschaft erlaubt und was nicht, ist Abmachungssache. Es gibt angeblich immer noch Gemeinschaften, in denen das ausgiebige Beklauen des Nachbarn erlaubt ist. Und es geht sicher auch Menschen gut dabei. Aber das sind nun mal Wertediskussionen, die als Wertediskussionen geführt werden müssen. Die meisten Verbrechen im Strafgesetzbuch sind seit Jahrmillionen technisch möglich, das ist kein Argument (besonders natürlich der Autodiebstahl).
Ich weiß gar nicht, ob das jetzige Urheberrecht so eine tolle Sache ist. Ich weiß aber, dass der Krieg der PIRATEN gegen das äußerst praktische Konzept der geistigen Werte in meinen Augen ein totaler Holzweg ist.
Aber für ein mindestens so großes Problem halte ich ohnehin die öffentlichen Denunziationen, das gnadenlose Gedächtnis des Internets und die Freiräume, die sich böse Menschen dort schaffen. Bei Printmedien war ich immer für absolute Meinungsfreiheit und führte da die Diskussionen. Beim Netz bin ich das nicht.
Du kannst jede Technologie so (Iran) oder so nutzen, das heißt eben nicht, dass sie absolut gut ist.
Aber am Gruseligsten finde ich tatsächlich den Technik - Dogmatismus aus der Ecke, der sich noch als wertneutral ausgibt, während er sehr radikale Werte äußerst aggressiv propagiert. Noch dazu mit der Vorstellung einer Elite. Die Ideologie, die nicht kapiert, dass sie eine ist, ist immer tendenziell die gefährlichste. Wenn das alles ernst zu nehmen wäre, wäre es wirklich beunruhigend.

 
Verfasst am: 25. 09. 2009 [13:22]
sven
toller Hecht der viel postet...
Dabei seit: 07.05.2009
Beiträge: 375
zitat von björn:

So etwas ist durchaus politisch, finde ich. Es ist albern, es ist inhaltslos und durchaus auch dumpf, aber all das trifft auch auf die Wahlkampf-Aktivitäten der Politikerklasse zu.

wort.
 
Verfasst am: 25. 09. 2009 [23:27]
latschlawatsch
Marcel
toller Hecht der viel postet...
Themenersteller
Dabei seit: 01.04.2009
Beiträge: 217
Dem stimme ich auch zu...

Reaktionen gab es von Merkel - die stärkste Reaktion bisher. Und das Petitionen weniger Reaktion erwirken beschränkt sich nicht auf solche, die im Internet entstehen.
Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass die Parteien den Bezug zum Wähler scheuen. Sie stellen sich alle vier Jahre für mehrere Wochen den Menschen, die sie dann die nächsten 4 Jahre in Ruhe lassen soll, das wars häufig. Und da hilft auch sehr sehr oft kein Volksbegehren - kann verstehen, dass da der ein oder andere sich denkt: Yeaahh


Zur Meinungsfreiheit im Internet:

Entschuldigung - Meinungsfreiheit ist Meinungsfreiheit - oder ist etwas nur/immer wahr, wenn es gedruckt ist?
I read somewhere, that you got to beware, you can't believe anything you read.

Das gilt auch für Druckmedien - ich sage nur Bild.

Und Flo, dein Beispiel Iran ist doch genau ein Gegenbeispiel. Das passiert nun mal, wenn man eine Meinungsfreiheit nicht gewährleistet.
 
Verfasst am: 26. 09. 2009 [02:56]
florian
toller Hecht der viel postet...
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Iran war mein Beispiel für die positiven Seiten des Internets.
Schau mal, ich bin der größte Verteidiger des schönen Scheiterns, aber wenn jede Aktion, die irgend etwas mit dem Netz zu tun hat, in ihrer Bedeutung schön geredet und hochgejazzt wird, und alles, was ansonsten in der Welt passiert, automatisch belangloser Bla ist, muss ich passen - ich bin kein Jünger.

Und zur Meinungsfreiheit: Es geht nicht um irgend einen Materialfetischismus wie "das gedruckte Wort", es geht darum, dass du mich über einen Server in Südostasien anonym als den Mörder eines kleinen Hundes von Milionen Leuten (theoretisch: Millarden) jagen lassen könntest, und ich könnte quasi nichts dagegen tun und wäre mein ganzes Leben lang vergeblich damit beschäftigt, das Zeug zu löschen und Tierschützern auszuweichen.
Da muss es Gesetze geben. Ich sage ja nicht, dass das einfach ist.
Und wenn sich herausstellt, dass die Existenz des Netzes tatsächlich Verbrechen und manche Szenen hervorbringt, die es ohne diese Möglichkeit nicht geben würde, dann halte ich es für notwendig, genau abzuwägen.
Selbst ein anonymes Flugblatt (was noch nie legal war) folgt gewissen Spielregeln - jemand hat sich hingesetzt und es geschrieben, beteiligt sich damit bewusst an einer Auseinandersetzung, egal, wie, und jeder weiss das - ganz abgesehen davon, dass ein Flugblatt in seiner Verbreitung begrenzt ist. Und bei Zeitungen und Zeitschriften gibt es das Recht auf Gegendarstellungen.
Es ist mittlerweile rechtens, wenn ein Arbeitgeber seinem Angestellten aufgrund von alten Partyfotos kündigt, die durchs Netz schwirren. Es liegt am Arbeitnehmer, zu beweisen, wenn es sich um ein verändertes Bild handelt.
Ich zum Beispiel wünschte, ich würde im Netz nicht auftauchen, und ich bemühe mich auch weitgehend darum. Es geht einfach nicht (also können wir auf dieser Seite auch meinetwegen mit Bildern und Namen anders umgehen, was ja gerade im Gespräch ist). Entsprechend muss es Gesetze für das Internet geben, die mit dem sonstigen Schutz der Persönlichkeit, den Menschenrechten usw. vereinbar sind.
 
Verfasst am: 26. 09. 2009 [15:07]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Das stimmt schon, Florian: Das Internet ist noch ein weitgehend "rechtsfreier" Raum, und das kann auch massiv missbraucht werden. Hier bräuchte man in der Tat irgendwelche Regelungen, aber die müssten weltweit einheitlich sein - und das ist nun mal schwierig!
Es geht aber nicht, dass Schäuble & von der Leyen deshalb auf die Idee, irgendwelche Seiten zu sperren. Das ist Zensur, und die möchte ich nicht (wir haben in Deutschland ja schon genügend Erfahrung damit).

Dagegen wenden sich die Internetaktivisten, und sie stoßen bei der herrschenden Politikerklasse auf taube Ohren, weshalb sie sich von der "klassischen" Politik abwenden, diese mit Ignoranz und doofen "Yeah"-Sprüchen nerven und sich lieber einer Nischenpartei wie den Piraten zuwenden. Die sind derzeit die einzigen, die sich für die Interessen der Netzleute einsetzen. (Der Erfolg der Piraten ist auch Folge einer Politikverdrossenheit, finde ich.)

Schwierige Diskussion, in der Tat, und ich habe auch keine guten Lösungen auf die vielen offenen Fragen. Aber das komplette Internet, alle Blogger und Twitterianer und Piraten für "doof" und "böse" zu erklären, das wäre zu einfach!

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 
Verfasst am: 26. 09. 2009 [15:23]
florian
toller Hecht der viel postet...
Dabei seit: 15.05.2009
Beiträge: 265
Alles in meinen Augen völlig richtig, aber hast du schon mal erlebt, dass eine Position wie deine auf Twitterianer - Seiten nicht als "doof" und "böse" zum Abschuss freigegeben worden wäre? Da sehe ich das Problem.

P.S.: Es gibt keinen Anlass zur Politikverdrossenheit. Zum absoluten Genervtsein, zum Hass auf Wahlkampf, zur grenzenlosen Müdigkeit, klar. Aber nicht zur Politikverdrossenheit. Tut sich doch sehr viel.
 
Verfasst am: 27. 09. 2009 [15:36]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Vielleicht sollte ich den Begriff "Politikverdrossenheit" durch "Parteienverdrossenheit" ersetzen - denn das sind derzeit wirklich viele Leute, die sich von den Parteien nicht ausreichend vertreten fühlen, die sich nicht damit identifizieren können. (Deshalb wurde ja auch attac in den letzten Jahren so erfolgreich, weil es eben keine Partei ist, aber dennoch eine politische Organisation mit klaren Zielen.)

Ob es einen "Anlass" für diese Verdrossenheit gibt, das ist Ansichtssache - ich bin nicht politikverdrossen, aber ich kann Leute verstehen, die das sind.

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 



Foruminformationen

Zur Zeit sind 0 Benutzer online, davon 0 registrierte Benutzer und 0 Gäste.
Heute waren bereits 0 registrierte Benutzer und 0 Gäste online.

Derzeit online


www.kulturkollektiv-ev.de hat 66 registrierte Benutzer, 624 Themen und 2730 Antworten. Es werden durchschnittlich 0.89 Beiträge pro Tag erstellt.
Diese Seite wird mit Firefox/Safari/Opera am besten dargestellt, wer Internet Explorer nutzt ist selbst dran schuld.