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Kultur.Forum

Thema mit vielen Antworten

Gedichte


Verfasst am: 16. 09. 2009 [18:11]
florian
toller Hecht der viel postet...
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LAUTERN LIEST, und wir sind nicht dabei. Das hat zwei Gründe: 1. Wir haben es nicht auf die Reihe bekommen. 2. Wir lesen immer, nicht nur eine Woche im September.
Aber die nächsten 10 Tage brausen einige mehr oder weniger literarische Veranstaltungen durch die Stadt, die wir demnächst auch in der entsprechenden Rubrik vorstellen werden.
Schwerpunkt ist dabei Lyrik. Und darum wieder einmal eine Bitte: Postet Eure Lieblingsgedichte! Postet Songtexte! Postet eigene Versuche!
Wir setzen währenddessen jeden Tag irgend etwas möglicherweise Lyrisches in diese Rubrik um Hemmungen abzubauen und die Aktion zu unterstützen.

Als Inspiration und als Aufforderung zum Weiterschreiben hier schon mal zwei Zeilen (mit Grippe):

Die Welt wird schlimmer, Tag für Tag.
Das Leben ist wie Knochenmark.


 
Verfasst am: 17. 09. 2009 [10:03]
florian
toller Hecht der viel postet...
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LAUTERN LIEST, 2. TAG:
Vor etwa einem Jahr holte das Kulturkollektiv die Lyrikerin Lydia Daher für eine sehr atmosphärische Lesung nach Lautern. Wenn ich nicht da gewesen wäre, wäre ich jetzt vielleicht nicht hier.
In unserer Aktion "Wir schmeißen mit Gedichten um uns" nun also eine Kostprobe. Nicht ihr bestes Gedicht (und der eine oder andere vermisst vielleicht etwas die belebende Schönheit von Fußball- Fangesängen), aber gut.

Lydia Daher

was ich malen würde

dahinter:

bäume
die über bäume stürzen
häuser
die über häuser stürzen
menschen
die über menschen stürzen

davor:
zwei graue tauben
zwischen zwei gelben Autos

mehr nicht
 
Verfasst am: 18. 09. 2009 [12:03]
florian
toller Hecht der viel postet...
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LAUTERN LIEST, 3. TAG:
Heute findet um 20.00 im Theodor Zink - Museum eine Veranstaltung mit Gedichten und Musik statt. Lauterer Lyriker lesen, und das Thema ist - Kaiserslautern. Angekündigt sind Impressionen von unserer Stadt (heiter, kritisch, besinnlich).
Denn es ist ja einfach nichts so inspirierend, verbindend und pur wie Stallgeruch. Gut zu wissen, sehr beruhigend.

Lothar Balzer ist ein leider nicht sehr bekannter Lyriker (und er war mal mein Mentor, vor ca. 50 Jahren, doch dazu heute mal nichts).

Lothar Balzer

Heimatdichter

häng deine Verse auf
an den Überlandmasten der Stromgesellschaft
besing den Sonnenuntergang
im Spiegel des Baggersees
der Fluß rauscht dir weiter Geschichten
aus seinem Betonkorsett
auch der Flug der Störche
liegt noch als Legende in der Luft
sogar Menschen
gab es einst in dieser Gegend

heut wohnen hier
nur die paar Leute
 
Verfasst am: 19. 09. 2009 [09:30]
florian
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LAUTERN LIEST, 4. TAG:

Bei THALIA darf man heute die ganze Nacht blättern und lesen, und damit auch klar ist, dass das kein normaler Buchhandlungsbetrieb ist, gibt es Getränke und Häppchen, und die Besucher dürfen Schlafsäcke mitbringen. Um 6.00 müssen sie den Laden allerdings räumen. Könnte eine nette Aktion sein.
Das akustische Konzert von THE SEXY DRUGS & FRIENDS heute im Sugarshack ist keine offizielle Kulturkollektiv - Veranstaltung, darum kann ich da ganz unbefangen drauf hinweisen.
Das heutige Gedicht rockt jetzt nicht, aber muss auch mal.

Mascha Kaleko

Mein schönstes Gedicht

Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.
 
Verfasst am: 20. 09. 2009 [11:11]
florian
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LAUTERN LIEST, 5. TAG (Zweiter Posting - Versuch)

Heute liest um 17.00 in der Fruchthalle Christian Brückner Gedichte von Ossip Mandelstam. Mandelstam war ein russischer Kult-Lyriker zwischen Tradition und Moderne und ein Lieblingsopfer von Stalin. Christian Brückner ist die Synchronstimme von Robert de Niro und spricht alles, was bei Drei nicht auf den Bäumen ist.

Zur Entspannung ein Gedicht von Georg Trakl. Trakl hatte ein kurzes, erfülltes Leben um 1910 (Krieg, Drogen, Inzest) und gehörte zu den expressionistischen Lyrikern, die man als frühe Popkultur bezeichnen kann, wenn man will. Als Teenager war ich sehr fasziniert vom folgenden Gedicht und von seiner tiefen Bedeutung überzeugt, auch wenn ich es nicht verstanden habe. Jetzt denke ich, es ist völlig dummes Zeug, aber sehr kunstvoll und wirkungsvoll (und armer Trakl).

Georg Trakl

Traum des Bösen

(aus dem Gedächtnis, vielleicht falsch)

Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge.
Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern.
Die Wang an Flammen, die im Fenster flimmern.
Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.

Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.
Gitarren klimpern, rote Kittel flimmern.
Kastanien schwül im goldnen Glanz verkümmern.
Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.

Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.
Ein Platz verdämmert, grauenvoll und düster.
Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.

Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen.
Aussätzige, die des nachts bereits verwesen.
Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.
 
Verfasst am: 21. 09. 2009 [09:33]
florian
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LAUTERN LIEST, 6. TAG:

Im MILCH UND ZUCKER soll immer ein neues "Gedicht des Tages" ausliegen, das Schülerinnen von St. Franzikus ausgewählt und aufgeschrieben haben.

Max Goldt, vor allem bekannt als witziger Kolumnist, früher mal Sänger und Bühnenperformer, hat viel Leid in der Welt verursacht, denn eine zeitlang haben zu viele Menschen seinen Humor nachgeahmt (u.v.a.: Harald Schmidt in seinen milderen Momenten, Sarah Kuttner in ihren gewitzteren - sie gibt das immerhin zu). An dieser Stelle eines seiner seltenen Gedichte (es gibt verschiedene Versionen, was in welcher Zeile stehen soll, also schlagt mich nicht, falls es irgendwo anders aussieht). Max Goldt ist sonst ein komischer Autor (und nicht religiös).

Max Goldt

Könnten Bienen fliegen

Könnten Bienen fliegen,
gäb es Pracht in jedem Garten.
Doch sie fahren Bahn
und kriegen
Streit am Fahrscheinautomaten.

Könnten Pferde galoppieren,
gäb es Sport und Spiel und Fete.
Doch sie räkeln
sich im Rollstuhl
und rauchen Selbstgedrehte.

Könnten Herzen schlagen,
schlügen sie aus lauter Liebe.
Doch sie rascheln
nur verstört
wie jugendliche Diebe.

Könnten Bienen fliegen,
flögen sie zur Himmelsmitten.
Der Himmel würde aufgehn,
und Gott
würde um Verzeihung bitten.
 
Verfasst am: 22. 09. 2009 [09:51]
florian
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LAUTERN LIEST, 7. TAG:

Heute um 20.00 veranstaltet die gute Buchhandlung BLAUE BLUME im Theodor Zink - Museum eine Lesung von Lilo Beil, einer Krimiautorin aus der Region (was sollte sie schon werden bei dem Namen?). Und wenn wir nicht Vorstandssitzung hätten, würde ich ganz sicher hingehen. Für alle Interessierten: Das ist der Termin, Dienstag, 18.00. Ort bitte bpsw. über den "Kontakt" - Button bei unserem freundlichen Webmaster Mathias erfragen.

Heinrich Heine ist mir eigentlich zu schulbuchmäßig für diesen Rahmen, andererseits ist das der einzige Lyriker, den ich im Alltag immer wieder lese. Vor der Vorstandssitzung im Kulturkollektiv noch 10 Minuten Zeit? Brötchen essen, einen Horrorcomic lesen oder ein bisschen Heinrich Heine? Guter Mann. Alles Weitere dazu in Schulbüchern. Beinahe alle seine Gedichte sind allerdings zu erotisch/romantisch/politisch/zu lang/ handeln zu deutlich von ekelhaften Krankheiten, um sie hier zu posten (so feige bin ich heute). Dieses hübsche, bittere Gedicht war wohl eher eine Fingerübung.

Heinrich Heine

Kluge Sterne

Die Blumen erreicht der Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.

Die Perlen ruhn in Meerestruhn.
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.

Die Sterne sind klug, sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Licht der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.
 
Verfasst am: 23. 09. 2009 [09:18]
florian
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LAUTERN LIEST, 8. TAG:

Karl Mays Gedichte wurden nur gedruckt, weil ein Verleger die Rechte am WINNETOU haben wollte. May war so etwas wie das beschränkteste Genie der Literaturgeschichte. Er hatte wirklich ein grausames Leben, war wirklich verrückt, hatte wirklich absurd gewaltigen Erfolg und schlachtete ihn wirklich peinlich aus, schrieb sich nach und nach gesund - und drehte dann nach einer Rufmordkampagne endgültig durch. Öffentlich abgeschossen wurde der ehemalige Hochstapler, Brandstifter und Groschenromanschreiber natürlich, als er Pazifist wurde und zwischen den Religionen vermitteln wollte. Seine Gedichte entstanden auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung und gelten selbst unter seinen Verehrern als frommer Schrott. Hier also ein philosophisches Gedicht von einer brillanten tragischen Gestalt, die als Philosoph und Dichter etwa so angesehen war wie ein Stück Holz.

Karl May

Deine Welt

Denk stets an dich! Nie darfst du dich vergessen.
Wer sich vergißt, denkt immer nur an sich.
Es wurde eine Welt dir zugemessen
Niemals für dich und dennoch nur für dich.
Nimm sie nur hin! Sie ist ja ganz dein Eigen,
und dennoch soll sie nicht dein Eigen sein.
Nie darf sie sich dir unterthänig zeigen,
Und trotzdem ist sie dein, nur immer dein.
Wer an sich denkt und seine Welt bezwingt,
Macht sich zur Gabe, die der Welt er bringt.

Vergiß dich ganz! Nie darfst du an dich denken.
Wer an sich denkt, vergißt sich ganz und gar.
Strebst du, in deine Welt sich zu versenken,
Wird sie nur Dir, doch nur für Andere klar.
Gieb sie nur hin! Du darfst sie nicht behalten,
Denn dann, erst dann, nimmst du Besitz von ihr.
Hör niemals auf, als Herr sie zu verwalten,
Denn keinen Augenblick gehört sie dir.
Wer sich vergißt und in die Welt versenkt,
Hat sich und sie dem Herrn zurückgeschenkt.
 
Verfasst am: 24. 09. 2009 [09:32]
florian
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LAUTERN LIEST, 9. TAG:

Heute stellt Morphy Burckhardt um 19.30 in der Apostelkirche den historischen Roman "Castellio gegen Calvin oder Gewissen gegen Gewalt" von Stefan Zweig vor. Stefan Zweig (u.a. "Schachnovelle") hat vermutlich nie etwas Schlechtes geschrieben, aber historische Romane vergangener Zeiten sind natürlich Geschmackssache.

F. W. Bernstein war als Fritz Weigle Professor für Zeichnung. Als Bernstein schrieb und zeichnete er zusammen mit Robert Gernhardt und F.K. Waechter vor etwa 40 Jahren an komischen Büchern, die die "Neue Frankfurter Schule des Humors" begründeten. Die machte PARDON berühmt, schrieb die Texte für Otto und gründete dann TITANIC. Gernhardt und Waechter waren Freiberufler und sind schon tot, Bernstein ist immer noch am Leben.

F.W. Bernstein

Warnung an alle

In mir erwacht das Tier,
es ähnelt einem Stier.
Das ist ja gar nicht wahr,
in mir sind Tiere rar.

In mir ist`s nicht geheuer,
da schläft ein Zuckerstreuer.
Und wenn d e r mal erwacht,
dann Gute Nacht!
 
Verfasst am: 25. 09. 2009 [09:22]
florian
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LAUTERN LIEST, 10. TAG:

In der BLAUEN BLUME steht heute und morgen ein Gedichteautomat.

In der THALIA BUCHHANDLUNG GONDROM, bekannt für ihre Ramschaktionen, ihre Mundartbücher und ihren Kuchen, findet heute um 19.30 ein Poetry Slam statt. Er hat nichts mit unseren regelmäßigen Slams im Benderhof zu tun, bis natürlich auf die Slammer, den groben Ablauf und darauf, dass THALIA vermutlich unser Publikum will. Schöne Grüße an Paul und alle, und einen schönen Slam. Wir gehen hin (ich zumindest) und machen keinen Rabbatz.
Im Café 23, um die Ecke von THALIA, ist für 19.00 ebenfalls eine Art Slam angesetzt, ein Leseabend mit Texten aus dem 23 - Umfeld. Grüße an Robert und einen gemütlichen Abend.

Was für ein Tag, und aus diesem Anlass hier ein in mehrfacher Hinsicht junges Gedicht. Es stand letzten Dezember in der "Federwelt", und die Verfasserin ist Jahrgang 1993.

Larissa Barth

trotzdem

grün
blättert
von bäumen
ab

unterdessen
kratzt wind
spuren
vom asphalt

das himmelszelt
längst ausgeblichen
und durchlöchert
hängt nur noch
am brüchigen balken
des horizonts

und trieft

während
die sonne
sich selbst aufgibt

und ihr lächeln
aus pfützen
wischt

ich schlage
über die spröden stränge
rad

und tanze

hand in hand
mit
meinem regenschirm
 



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