###RECHTS###

Kultur.Forum

Unbeantwortetes Thema

Inglorious Basterds


Verfasst am: 05. 09. 2009 [09:41]
bjoern
Björn
Phrasendrescher
Dabei seit: 10.05.2009
Beiträge: 803
Da sich bislang noch niemand zu diesem Film geäußert hat mache ich mal den Anfang:

Es wurde ja schon viel geredet und geschrieben, so dass man die Handlung wohl nicht mehr groß erläutern muss. Es geht um die "Basterds", die als Nazi-Jäger durch Frankreich ziehen und Deutsche skalpieren, es geht um SS-General Landa, der mit detektivischer Akribie Juden jagt, und um ein jüdisches Mädchen, dass Landa entkommen ist und nun in Paris ein Kino betreibt. Schließlich verweben sich die Handlungen und führen zu einem grandiosen Showdown - doch das ist eigentlich Nebensache.

Tatsächlich geht es nämlich um Quentin Tarantino und seine unvergleichliche Erzählweise: Er hat hier einen Film inszeniert, der ein ungewöhnlich langsames Erzähltempo aufweist und dennoch nie langweilig wird. Er zeigt typisch tarantinoesk-absurde Dialoge, die den Film (der sich weitgehend im Sitzen abspielt) hervorragend tragen, und schafft eine Ästhetik, die einem manchmal den Atem verschlägt. Da werden die Greuel des Krieges in einer idyllische französische Berglandschaft ausgetragen, ein Apfelkuchen wird in endlos erscheinenden Detailaufnahmen genüsslich verspeist und ein verlorener Schuh wird von Fußfetischist Tarantino mit großer Hingabe inszeniert. Die Gewaltszenen, in Tarantino-Filmen unabdingbar, sind hier so grotesk und überzogen inszeniert, dass sie schon fast als Satire erscheinen. Der Humor-Anteil ist hingegen größer als in anderen Tarantino-Filmen und macht den Streifen so unterhaltsam.

Die zwei Faktoren, die mich in diesem Film am Meisten beeindruckt haben, sind aber zum einen Christoph Waltz, der General Landa so unglaublich gut darstellt, dass die (fast schon übertrieben wirkenden) Vorschusslorberen wirklich unterstrichen werden müssen: Ein SS-Mann, der gnadenlos und grausam ist, zugleich aber als charmanter Plauderer mit Wiener Schmäh und vereinnahmendem Charisma auffällt, ist ein wirklich innovativer Ansatz in Filmen über das Dritte Reich. Zum zweiten faszinieren die Bilder, die Tarantino zeichnet: Wie er Hakenkreuze aus Blut ritzt, Hitler das Gesicht zerfetzt, wie eine Jüden höhnisch lachend über die Nazis triumphiert und schließlich das Dritte Reich in Flammen aufgeht, das ist einfach grandios inszeniert!

Meiner Meinung nach der bislang beste Film von Tarantino, und wohl nicht zufällig lautet der letzte Satz, der in dem Film gesprochen wird: "Das könnte mein Meisterwerk sein."

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
(Karl Valentin)
 



Foruminformationen

Zur Zeit sind 0 Benutzer online, davon 0 registrierte Benutzer und 0 Gäste.
Heute waren bereits 0 registrierte Benutzer und 0 Gäste online.

Derzeit online


www.kulturkollektiv-ev.de hat 66 registrierte Benutzer, 624 Themen und 2730 Antworten. Es werden durchschnittlich 0.86 Beiträge pro Tag erstellt.
Diese Seite wird mit Firefox/Safari/Opera am besten dargestellt, wer Internet Explorer nutzt ist selbst dran schuld.